
- Herausgeber : Aufbau
- Autor : Lilli Tollkien
- Erscheinungstermin : 14. März 2026
- Seitenzahl : 255 Seiten
- ISBN-10 : 3351042841
- ISBN-13 : 978-3351042844
Mit beiden Händen den Himmel stützen – Lilli Tollkien
Manche Bücher brauchen ein paar Seiten, bis sie einen erreichen. Und manche treffen einen dann mit einer Wucht, auf die man nicht vorbereitet ist. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist genau so ein Buch.
Zu Beginn war ich ehrlich gesagt unsicher, ob ich mit dem Schreibstil von Lilli Tollkien warm werden kann, auch habe ich mehr als einmal darüber nachgedacht das Buch abzubrechen. Der Schreibstil wirkte auf mich zunächst ungewöhnlich distanziert und fast sachlich. Auch die Art, wie die Geschichte erzählt wird, war für mich ungewöhnlich und entsprach überhaupt nicht meinen gewohnten Lesegewohnheiten.
Doch dann änderte sich alles.
Je weiter ich las, desto stärker zog mich Lales Geschichte in ihren Bann. Plötzlich konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es innerhalb weniger Stunden beendet. Die zunächst nüchterne Erzählweise entfaltete eine ungeheure Kraft. Sie schuf Raum für die eigenen Gedanken und Gefühle und zwischen den Zeilen entdecken, vertseckt hinte leisen Tönen gab es noch einiges zu entdecken.
Lale wächst in einer Welt auf, in der Freiheit und Vernachlässigung erschreckend nah beieinanderliegen. Sie sucht nach Halt, nach Regeln und nach Menschen, auf die sie sich verlassen kann. Gerade weil die Autorin vieles nicht dramatisiert, sondern fast beiläufig erzählt, wirken viele Szenen umso intensiver. Die Geschichte entfaltet ihre Wirkung leise – und genau darin liegt ihre große Stärke.
Besonders beeindruckt haben mich die sprachlichen Bilder. Immer wieder begegneten mir Sätze, die ich am liebsten markiert hätte, weil sie so viel Gefühl transportieren. Einer davon hat sich tief bei mir eingeprägt:
„Mein Herz wird ein Mausoleum sein. Alle, die ich nicht geworden bin, fristen dort ihr Wegsein.“
Aber auch dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen:
„Aber ich trage zu viel Wut in mir. Alles was glänzt, mache ich kaputt.“
Solche Sätze sind selten. Sie tun beim Lesen fast weh und sind gleichzeitig von einer außergewöhnlichen Schönheit.
Lilli Tollkien gelingt es, schwere Themen mit großer Sensibilität zu erzählen. Dabei urteilt sie nicht, sondern lässt ihre Leserinnen und Leser selbst fühlen und interpretieren. Genau das macht dieses Buch so besonders. Es verlangt Aufmerksamkeit und Offenheit, belohnt einen dafür aber mit einer Geschichte, die noch lange nachhallt.
Mein Fazit:
„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist kein Roman, den man einfach nebenbei liest. Er fordert Geduld, berührt tief und entfaltet seine ganze Kraft erst nach und nach. Mich hat dieses beeindruckende Debüt vollkommen überrascht und emotional sehr bewegt. Für mich ist Lilli Tollkien eine Autorin, deren weitere Bücher ich unbedingt lesen möchte.
Rezensionsexemplar: Danke an Netgalley und den Aufbau Verlag
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