Genug für ein halbes Leben von Evann Normandin

Rezension | Genug für ein halbes Leben – Evann Normandin

Stell dir vor, du findest die große Liebe und alles ist perfekt. Und dann passiert etwas, das dein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Du willst nur noch eines: vergessen.

Genau diese Frage stellt Evann Normandin in „Genug für ein halbes Leben“.

Rose und Landon lernen sich kennen, verlieben sich, heiraten und eigentlich scheint ihrer gemeinsamen Zukunft nichts im Weg zu stehen. Bis Rose eine Entscheidung trifft, die ich beim Lesen immer wieder hinterfragt habe: Sie nimmt eine Pille, die ihre Erinnerungen löscht. Nicht nur die schlechten, sondern einfach alles. Auch Landon und die Liebe, die sie miteinander verbunden hat.

Landon kann das nicht akzeptieren. Für ihn kann eine Liebe, wie sie die beiden hatten, nicht einfach ausgelöscht werden. Also macht er sich auf die Suche nach Rose und lernt sie ein zweites Mal kennen. Nur weiß sie nicht, dass dieser Fremde eigentlich der Mensch ist, mit dem sie bereits ihr halbes Leben geteilt hat.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit erlebt man, wie Rose und Landon sich kennenlernen und ihre gemeinsame Geschichte beginnt. Die Gegenwart wird aus Landons Sicht erzählt und zeigt, was nach Roses Entscheidung passiert.

Gerade die Vergangenheit hat mich sehr berührt. Die beiden lernen sich kennen, verlieben sich und man spürt diese Verbindung zwischen ihnen. Eine Liebesgeschichte, bei der man sich kaum vorstellen kann, dass irgendwann etwas passieren könnte, das Rose dazu bringt, alles hinter sich zu lassen.

In der Gegenwart habe ich besonders mit Landon mitgefühlt. Man versteht, warum er Rose nicht einfach aufgeben kann und warum er versucht, sie zurückzugewinnen. Gleichzeitig wollte ich unbedingt wissen, was passiert ist, dass Rose wirklich bereit war, alles zu vergessen.

Und genau diese Frage hat mich durch das Buch getragen.

Der Schreib- und Erzählstil ist angenehm, allerdings liegt über der gesamten Geschichte eine gewisse Traurigkeit, die sich auch bei mir beim Lesen breitgemacht hat. Die Figuren sind nicht immer einfach und manchmal auch ziemlich egoistisch. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser konnte ich aber verstehen, warum sie so handeln.

Auch wenn diese Erinnerungspille natürlich der Fantasie der Autorin entspringt, fand ich die Umsetzung erstaunlich realistisch. Und trotzdem weiß ich für mich ganz klar: Ich würde meine Erinnerungen niemals einfach auslöschen wollen. Auch die schlechten gehören zu meinem Leben. Gegen Dinge, die man gerne vergessen möchte, gibt es andere Wege – auch wenn diese sicher nicht immer einfach sind.

Mein Fazit

„Genug für ein halbes Leben“ ist keine leichte Liebesgeschichte, auch wenn sie zunächst so beginnt. Es geht um Liebe, Erinnerungen, Verlust und die Frage, wie viel von einem Menschen übrig bleibt, wenn man seine Vergangenheit einfach auslöscht.

Eine emotionale Geschichte, die mich berührt hat, teilweise ziemlich traurig war und bei der ich auch nach dem Zuklappen noch über die eine Frage nachgedacht habe:

Was würdest du vergessen wollen – und was würdest du niemals hergeben?

  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag
  • Autor : Evann Normandin 
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. Juli 2026
  • Seitenzahl ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453276086
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453276086

Rezensionsexemplar – Danke an den Heyne Verlag für die Bereitstellung. Meine persönliche Meinung ist davon unbeeinflusst.

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